Bauerngärten – Mehr als nur Selbstversorgung (?)

Am 15. Juli ist Tag des offenen Bauerngartens im Schwarzwald. Wenn ich an Bauerngärten denke, sehe ich ein Meer aus kräftig leuchtenden Farben mit lila, rosa und gelbblühenden Blumen vor mir, Bienen, die summen und strahlenden Sonnenschein über all dieser Pracht. Ein schönes Bild. Aber ganz sicher steckt mehr dahinter. Was unterscheidet einen Bauerngarten von Nachbars Garten um die Ecke? Steckt hinter der Fülle ein Muster, sind alle Bauerngärten gleich? Wie hat er sich entwickelt, wofür stand er damals und wofür steht er heute?

Huhn_Gartentor (C) Annika Burger

Wir müssen draußen bleiben – Huhn vor dem Gartenzaun

Wie so oft gilt der Blick zunächst der Vergangenheit, denn Bauerngärten sind seit jeher Bestandteil  traditioneller Landwirtschaft im Schwarzwald. Im Gegensatz zu meinem romantischen Bild von Blumen und Bienchen, galt der Garten damals vorrangig der Selbstversorgung der Hofgemeinschaft mit Gemüse und Kräutern, bewirtschaftet von der Bäuerin und ihren Helfern. Doch nicht nur die Nahrungsmittel spielten eine Rolle: Die im Garten wachsenden Heilkräuter dienten der Behandlung von Krankheiten, sowohl beim Mensch, als auch beim Vieh. Um letzteres am unerlaubten Eindringen zu hindern, hielt ein Zaun ungeliebte Besucher fern.

Der Garten trägt immer die Handschrift seiner Bewirtschafterin
Gab oder gibt es dabei besondere Vorgehensweisen wie der Garten angelegt wird? Existiert ein Muster, an dem jeder Garten wieder zu erkennen ist? Nein. Das lerne ich aus der Recherche im Netz und von Walburga Schillinger, die in einem Beitrag des SWR sagt: „Bauerngarten ist nichts Festgezurrtes, jede Bäuerin, pflanzt verschieden und probiert Dinge aus, jenachdem auch, was der Familie schmeckt.“ Auch die Badische Bauernzeitung schreibt in ihrer Einladung zum Tag des offenen Bauerngartens: „Der Garten trägt immer die Handschrift seiner Bewirtschafterin und er hat entsprechend seiner Höhenlage und Region sein ganz eigenes Gesicht. Generell ist er immer eine Mischung aus Nutz- und Ziergarten. Neben Gemüse und Kräutern wächst auch Beerenobst, Sommerblumen, Stauden und Zwiebelblumen.“

Isolde Kaltenbach_1 (C) Annika Burger

Isolde Kaltenbach in ihrem Garten

Phlox und Zitronenaroma sind ihre Leidenschaft

Und welche Handschrift trägt der Garten von Isolde Kaltenbach? Ihr Bauerngarten liegt zwischen Schönwald und Furtwangen im Schwarzwald, für einen Artikel in der Badischen Bauernzeitung habe ich sie und ihren Garten Anfang Juni besucht: „Vor allem der Phlox hat es mir angetan, bei mir wachsen rund zehn verschiedene Sorten“, erzählt Isolde Kaltenbach. Außerdem hat sie ein Faible für Kräuter mit Zitronenaroma: Zitronenmelisse, Zitronenoregano, Zitronenverbene, Zitronen-Bohnenkraut, gelbes Labkraut – die Liste ist lang. Die meisten Kräuter dürfen wachsen, wo es ihnen gefällt, denn das hat Frau Kaltenbach in 30 Gartenjahren gelernt: „Die Pflanzen wissen selbst am besten, welcher Boden und Standort gut für sie ist“. Gut zwei Drittel der Fläche sind Nutzgarten, das andere Drittel bilden ein- und mehrjährige Sommerblumen. Aber auch Dahlien, Pfingstrosen, Lupinen und Akelei haben ihren Platz. Brennende Liebe, Bartnelken und Mohn stechen leuchtend hervor.

Bartnelken zoom (c) Annika Burger

Bartnelken in ihrer Farbenpracht

Bauerngärten folgen also keinem bestimmten Muster – trotzdem findet man im Netz und in diversen Gartenbüchern immer wieder Anleitungen für das Anlegen von Bauerngärten. Wo haben sie ihren Ursprung? In den Klostergärten. Ab dem 16. Jahrhundert übermittelten diese nicht nur das Wissen über Heilkräuter, sondern auch die Gartenstruktur. Wegkreuz und quadratisch angelegte Beete, sind ein typisches Merkmal dafür.

Perlen einer vielfältigen Kulturregion

Doch zurück zu Walburga Schillinger. Sie ist – unter anderem – Projektleiterin der sogenannten Bauerngartenroute im Schwarzwald, die einen wichtigen Aspekt dieses Gartentypus bezweckt: Seinen Erhalt. Denn längst ist der Supermarkt der Haupternährer der Hofgemeinschaft geworden, das eigene Gemüse im Garten ist auch im Hochschwarzwald nicht mehr überlebensnotwendig. So werden es immer weniger Bauerngärten, sie liegen brach und verschwinden schließlich ganz. Das möchte der Verein der Bauerngartenroute verhindern und spricht von den Gärten als schützenswertes Kulturgut. Denn hier werden oft alte Gemüseraritäten kultiviert und es finden sich manche fast vergessene Blumenschönheiten. Ziel ist, durch Führungen durch die Gärten, (altes) Wissen zu bewahren und weiterzugeben. So werden aus Gärten der Selbstversorgung „Perlen in der Landschaft, die die vielfältige Kulturregion im Schwarzwald bereichern“, wie die Bauerngartenroute schreibt

Der Bauerngarten ist also heutzutage mehr als nur ein Mittel der Selbstversorgung. Er ist auch ein – schützenswertes – Stück Kulturgut geworden.

Beste Schwarzwaldgrüße,

eure Annika

Informationen zum Bauerngarten im Schwarzwald finden Interessierte zum Beispiel hier:

Beitrag des SWR über Bauerngärten im Schwarzwald mit Walburga Schillinger

Bauerngartenroute Schwarzwald

Einladung der Badischen Bauernzeitung zum Tag des offenen Bauerngartens 2018

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