Des Kürbis Kern – badisch by nature?!

Muskatkürbis, Butternut und allen voran der Hokkaido – jetzt können wir sie wieder kaufen, oft direkt neben dem Feld, auf dem sie wuchsen. Regionale Kürbisse? Kein Problem. Doch wie sieht es mit ihren Kernen aus? Jene, die man so gerne im oder auf dem Brot findet, unter den Salat mischt und gegebenenfalls auch mal ins Müsli? Die kommen in der Regel nicht aus der Region, sondern unter anderem aus Asien, etwas näher gelegen auch mal aus der Steiermark. Alle? Nein! In Munzingen am Tuniberg baut Junglandwirt und Visionär Viktor Lang Kürbisse an und vertreibt deren Kerne.

Regionale Kürbiskerne? Die sind bisher einzigartig in der Region. Gewonnen werden sie aus dem Ölkürbis. Dessen Anbau kommt zwar generell auch in Süddeutschland vor, “aber vor allem in Bayern und bei Heilbronn“, so Junglandwirt Viktor Lang. Der südbadische Pionier besetzt damit eine Nische, die sich wachsender Nachfrage erfreut. Großabnehmer der Trockenware sind beispielsweise zwei lokale Bäckereien: „Sie schätzen die bessere Qualität im Vergleich zu herkömmlicher Ware und finden es gut, dass es ein regionales Produkt ist“, erzählt Lang. Man könne aber auch kleinere Mengen ab Hof kaufen.

Wer hat’s erfunden?

Der Kürbis selbst hat seinen Weg aus Südamerika/Mexiko zu uns nach Europa gefunden. Schaut man auf die Angaben auf den Verpackungen oder ins Internet, kommen handelsübliche Kürbiskerne meist aus Ungarn, Slowenien, Russland und Asien. Aber auch Österreich, hier vor allem Niederösterreich und die Steiermark sind ein weit verbreitetes Herkunftsland. So wurde Ölkürbis 2016 weltweit auf ca. 100.000 ha angebaut. Davon entfielen knapp 40 Prozent auf Österreich (39.450 ha).

Anbau mit Vision oder Begeisterung, die ansteckt

VikiFarms heißt das Label, unter dem Viktor Lang seine Produkte vertreibt. Neben Kürbiskernen und -öl zählt noch ein weiteres besonderes Produkt dazu: Feuerbohnen als Trockenware.

Wie kommt man dazu, sich solch speziellen – und im Anbau durchaus auch heiklen – Feldfrüchten zu widmen? Die Idee kam während eines studienbegleitenden Praktikums in Österreich, erzählt Lang: „Der Landwirt war überzeugt von seinem Produkt und hat mich mit seiner Begeisterung angesteckt. Neben dem Weinanbaubetrieb meiner Familie, in dem ich voll mitarbeite, hatten wir schon immer auch extensiven Ackerbau. Als anstand, dass ich in den Betrieb mit einsteige, war das mit den Bohnen und später den Kürbissen meine Vision. Ich wollte etwas Besonderes anbauen, das man direkt auf dem Hof vertreiben kann. Auch die Anbau- und Erntezeit fügt sich gut in unsere übrigen Betriebsabläufe ein“.

Auf Kernproduktion gezüchtet

Doch wie kommt denn nun der Kürbiskern auf mein Brötchen? In Erinnerung an mühsame Selbstversuche muss allein das Schälen der Kerne eine Menge Arbeit bedeuten. Darüber hinaus ist um den Kern herum ja zunächst auch noch ganz schön viel Kürbis, oder? Ich wurde eines Besseren belehrt. Denn das Besondere an Ölkürbiskernen ist: sie haben gar keine Schale. Vielmehr ein dünnes Silberhäutchen, das beim Trocknen von selbst abfällt. Und: entgegen der Kollegen, die zum Verzehr gedacht sind, ist dieser Kürbis speziell auf die Produktion von Kernen gezüchtet: „Da kommt eine enorme Menge bei raus, circa 60 – 80 Gramm pro Frucht“, schwärmt der Landwirt.

Gesetzt werden die Pflanzen im Frühjahr, die Ernte selbst beginnt im Herbst. Dafür werden die Kürbisse zunächst „auf Schrade“, also in Reihen gelegt. Dann nimmt die Maschine sie auf und drischt sie aus. Das Fruchtfleisch landet gleich wieder auf dem Acker, „es eignet sich nicht zum Verzehr, ist aber super Dünger für die Folgekultur“, erklärt Lang.  „Die Maschine“ ist ein Vollernter speziell für Kürbisse. Besonders die Erntehelfer von der Weinlese werden sich über diese Anschaffung gefreut haben, denn im ersten Versuchsjahr war es ihre Aufgabe, die Kerne mit der Hand herauszupulen. „Die Freude hielt sich in Grenzen“, erinnert sich der Jungbauer lachend. Auch das anschließende Trocknen der Kerne erfolgt mittlerweile mechanisch.

In Zukunft werde ich mir die Kürbiskerne auf meinem Brötchen also mal genauer anschauen – vielleicht sind sie ja am Tuniberg groß geworden?

PS: Wusstet ihr, dass Kürbis weder Obst noch Gemüse ist? Er gehört zur Gattung des sogenannten Fruchtgemüses, also all jener Gemüsepflanzen, deren oberirdisch wachsende Früchte essbar sind. Weitere Kandidaten sind z.B. Gurken, Tomaten oder Paprika.

Mehr Infos…

… gibt es auf Viktor Langs Internetseite: https://vikifarms.de/

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